Woher kommt die Mediation?

Eine zeitliche und kulturhistorische Verortung der Mediation muss erst noch erfolgen.

Klar ist heute, dass Mediation in ihrem Ursprung nicht in den USA anzusiedeln ist, wenn sie auch dort eine bedeutende Rolle spielt.

Als eines der ältesten Konfliktlösungsinstrumente wurde Mediation - aus heutiger Sicht Ausschnitte des Mediationsprozesses  - in verschiedenen Kulturkreisen praktiziert.

So ist Mediation ist in der chinesischen Tradition beheimatet, die von chinesischen Einwanderern in den USA weitergepflegt wurde und dort seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Verfahren außergerichtlicher Streitbeilegung befruchtet hat. Der Vertrauensgrundsatz des Mediationsverfahrens kommt dem in China ausgeprägten Bedürfnis entgegen, in der Öffentlichkeit sein Gesicht nicht zu verlieren.

In der hellenistischen Rechtssprache bezeichnet der Begriff des „Mittlers“ den bei einem Prozess zwischen zwei Parteien vermittelnden unparteiischen Nichtentscheider.

Schließlich spielt die christliche Kirche eine bedeutende Rolle für die Verbreitung der Mediation in Europa: Augustinus verwendet den Begriff „mediatio“. Als Mediator hat er dabei vor allem Jesus Christus im Blick, Vermittler zwischen Gott und Mensch. Ihn nehmen die Bischöfe der frühen nachchristlichen Jahrhunderte zum Vorbild für eine eigene, theologisch begründete Mediatorentätigkeit.

Begrifflich bleibt die Mediation bis ins 11. Jahrhundert im theologischen Diskurs verhaftet und wechselt erst nach 1200 in die Sphäre der Politik. Während im Mittelalter durchaus verbreitet, gerät in Europa Mediation zu Beginn der Moderne angesichts er Konzentration auf die Entwicklung des geschriebenen und gesprochenen Rechts quasi in Vergessenheit.

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung entdeckt mit der Mediation in den 1960er Jahren ein ihr gemäßes Verfahren, das darüberhinaus die Gerichte entlastete.

In Deutschland bestand in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein konkretes Bedürfnis nach Mediation bei Trennung und Scheidung, wurde doch die Praxis der Gerichte als verbesserungswürdig empfunden. Inzwischen findet Mediation bei Konflikten im Wirtschafts- und im Arbeitsleben, speziell auch im Gesundheitswesen Anwendung. Nach der Richtlinie des Europäischen Union vom 21.5.2008 über bestimmte Aspekte der der Mediation in Zivil- und Handelssachen regelt in deren Umsetzung seit 2012 das deutsche Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktregelung die Rechtsdienstleistung Mediation.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Mediation nicht nur in Abgrenzung zum gerichtlichen Verfahren moderner Rechtsstaaten zu verstehen ist; Mediation ist Komplementärinstrument, nicht Alternative zum geschriebenen Recht, wenn es um mehr geht als den Schutz des Schwächeren. Sie fand sie ihren Weg als bevorzugtes Konfliktlösungsinstrument, wenn die Öffentlichkeit gescheut, wenn die Fremdautorität des Rechts als beengend und gestaltungsfeindlich empfunden wurde.

Zu Anarchie und  Gewalt, zur Selbstauslieferung an das blinde Schicksal hingegen stellt Mediation die Alternative dar. Hier übernimmt der Mediator die Aufgabe des Friedensstifters.

 

Weiterführende Literatur

Von Sinner, Alex, Was ist Mediation?, 18 ff., 19, in: von Sinner, Alex / Zirkler, Michael, (Hrsg.), Hinter den Kulissen der Mediation: Kontexte, Perspektiven und Praxis der Konfliktbearbeitung, Bern, 2005

Moore, Christopher, W., The mediation process,  Pracitcal Strategies for Resolving conflict, San Francisco, 1996

Montada, Leo / Kals, Elisabeth, Mediation, Basel, 2007